Wie lassen sich Daten sicher, interoperabel und unternehmensübergreifend nutzen, um neue digitale Geschäftsmodelle und industrielle KI zu ermöglichen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Antrieb 4.0 über dreieinhalb Jahre hinweg. Nach dreieinhalb Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit zog Antrieb 4.0 auf seiner Abschlusskonferenz Bilanz. Das Projekt zeigte nicht nur, dass interoperable Datenräume technisch realisierbar sind, sondern auch, wie sie die Grundlage für datengetriebene Services, neue Geschäftsmodelle und künftige Anwendungen industrieller KI bilden können.

Ziel von Antrieb 4.0 war es, den Weg zu interoperablen, datengetriebenen und souveränen Industrie-Ökosystemen zu untersuchen und praktisch zu erproben. Im Reallabor wurde der durchgängige Datenaustausch vom Maschinenraum bis in einen föderierten Datenraum umgesetzt und anhand konkreter Anwendungsfälle validiert. Die Projektpartner machten nachvollziehbar, wie interoperable Datenräume, standardisierte Schnittstellen und digitale Services ineinandergreifen und welche neuen Möglichkeiten sich daraus für Zusammenarbeit und digitale Services ergeben. Grundlage dafür sind offene Standards und bereits heute verfügbare Technologien, die im Reallabor zu einem durchgängigen Gesamtkonzept zusammengeführt und validiert wurden.

Im Fokus der Veranstaltung standen zentrale Herausforderungen und Chancen der industriellen Digitalisierung – von Digital Twin, Manufacturing-X und Datenräumen über den Digital Product Passport (DPP) bis hin zu industrieller Künstlicher Intelligenz. Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Verbänden präsentierten zentrale Projektergebnisse, Einblicke aus dem Reallabor sowie konkrete Ansätze für datenbasierte Services und neue Wertschöpfungsmodelle.

Abbildung 1: Die Abschlusskonferenz von Antrieb 4.0 brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Verbänden zusammen, um Projektergebnisse und Zukunftsperspektiven für interoperable Industrie-Ökosysteme zu diskutieren.

Deutlich wurde bereits zum Auftakt: Digitalisierung entfaltet ihren Mehrwert erst durch die konsequente Anwendung in der Praxis und ist als fortlaufender Transformationsprozess zu verstehen, wie Dr. Daniel Senff (Plattform Industrie 4.0, VDI TZ) und Bernhard Sattler (ZVEI) in ihren Grußworten ausführten.

„Dieses Projekt ist kein isoliertes Einzelvorhaben, sondern Teil eines kontinuierlichen Transformationsprozesses, der durch eine besondere Dynamik und den gemeinschaftlichen Willen der Akteure getragen wird, stetig neue Fragestellungen anzugehen.“

Dr. Daniel Senff, Leiter der Geschäftsstelle Plattform Industrie 4.0 / Head of Digital Transformation and Mobility, VDI TZ

Abbildung 2: Dr. Daniel Senff, Leiter der Geschäftsstelle Plattform Industrie 4.0 und Head of Digital Transformation and Mobility im VDI Technologiezentrum, ordnete die Ergebnisse von Antrieb 4.0 in den laufenden Transformationsprozess der Industrie ein.

Keynote: Datenräume als Fundament der industriellen Transformation

In ihrer Keynote machte Dr. Angelina Marko, Geschäftsführerin der ZVEI-Plattform Industrial AI & Data Economy, deutlich, wo die industrielle Digitalisierung aktuell steht – und wo ihre größten Hebel liegen. Daten sind in vielen Unternehmen weiterhin fragmentiert, in Silos organisiert und oft unzureichend kontextualisiert. Für echten wirtschaftlichen Mehrwert braucht es jedoch die Fähigkeit, Anwendungsfälle über Unternehmensgrenzen hinweg zu skalieren. 

Als technische Grundlage hob Dr. Marko die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell) hervor, die industrielle Assets strukturiert und maschinenlesbar beschreibt. Entscheidend für die Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette seien jedoch Datenräume wie Manufacturing-X, die einen sicheren und souveränen Datenaustausch ermöglichen. Wie Dr. Marko hervorhob, sind nicht die Algorithmen die größte Herausforderung für Industrial AI, sondern die Qualität und Struktur der zugrunde liegen- den Daten.

„Datenräume sind das fehlende Element der industriellen Wertschöpfung, da sie durch kon- trollierten Zugriff das nötige Vertrauen schaffen, um Daten über Unternehmensgrenzen hinweg interoperabel und skalierbar nutzbar zu machen.“

Dr. Angelina Marko, Geschäftsführerin ZVEI Plattform Industrial AI & Data Economy

Abbildung 3: Dr. Angelina Marko, Geschäftsführerin der ZVEI-Plattform Industrial AI & Data Economy, erläuterte in ihrer Keynote die Be- deutung von Datenräumen als Grundlage für skalierbare Digitalisierung, Manufacturing-X und industrielle KI.

Präsentation der Projektergebnisse: Antrieb 4.0 – Vom Reallabor zur digitalen WertschöpfungKeynote: Datenräume als Fundament der industriellen Transformation

Im Zentrum der Ergebnispräsentation stand der Transfer von theoretischen Konzepten in die indust- rielle Praxis. Die Forschungspartner von Fraunhofer IIS, Fraunhofer IISB und der TU Darmstadt zeig- ten, wie im Reallabor ein durchgängiger Datenfluss vom Maschinenraum bis in einen föderierten Da- tenraum realisiert werden konnte. Dieser „vertikale Durchstich“ bildet die Grundlage für interoperable Anwendungen und einen kontrollierten Datenaustausch.

Abbildung 4: Die Projektpartner präsentierten die Ergebnisse des Reallabors Antrieb 4.0 und erläuterten, wie sich ein durch- gängiger Datenaustausch vom Maschinenraum bis in einen föderierten Datenraum realisieren lässt.

Ein zentrales Merkmal des im Projekt verfolgten Ansatzes war die konsequente Nutzung offener Stan- dards und bereits verfügbarer Technologien. Antrieb 4.0 machte nachvollziehbar, wie bestehende Standards und verfügbare Technologien bereits heute zu interoperablen Lösungen zusammengeführt und schrittweise in industrielle Umgebungen integriert werden können. Darauf aufbauend wurden datenbasierte Services wie Edge- und Cloud-Analytics umgesetzt, die etwa eine energieeffiziente Auslegung und Verifikation von Antriebssystemen ermöglichen. Standards wie die Verwaltungsschale sorgen dabei für eine einheitliche Strukturierung und maschinenlesbare Beschreibung der Assets.

Neben der technischen Umsetzung stellten die Forschenden auch die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts vor. Dazu zählen unter anderem eine Toolbox für datenbasierte Services sowie eine begleitende Machbarkeits- und Architekturstudie mit wichtigen Erkenntnissen zur Standardisierung digitaler Dienste. Ergänzend wurden die Herausforderungen und wirtschaftlichen Implikationen rund um den Digitalen Produktpass (DPP) analysiert, insbesondere im Hinblick auf Interoperabilitätsanfor- derungen. Die Ergebnisse liefern Unternehmen damit konkrete Orientierung für den Aufbau interope- rabler und datengetriebener Wertschöpfungsnetzwerke. 

Vom Machbarkeitsnachweis zur Skalierung

Mit Antrieb 4.0 wurden wichtige Erfahrungen zur praktischen Umsetzung interoperabler Datenräume, standardisierter Informationsmodelle und datenbasierter Services in einem industriellen Reallabor ge- sammelt. Der im Projekt realisierte durchgängige Datenaustausch vom Maschinenraum bis in einen föderierten Datenraum zeigt, wie bestehende Standards und verfügbare Technologien zu einem
Im Mittelpunkt der Diskussion stand daher weniger die Frage, ob solche Architekturen funktionieren, sondern wie sie künftig skaliert und in die industrielle Breite getragen werden können. Die vorhande- nen technologischen Grundlagen sind weitgehend verfügbar. Die Herausforderung besteht nun darin, Datenräume, digitale Dienste und interoperable Standards in bestehende industrielle Wertschöp- fungsnetzwerke zu integrieren und daraus nachhaltige wirtschaftliche Mehrwerte zu erzeugen.

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war die Erkenntnis, dass der erfolgreiche Einsatz von Industrial AI unmittelbar von belastbaren Datenstrukturen, standardisierten Informationsmodellen und vertrau- enswürdigen Datenökosystemen abhängt. Projekte wie Antrieb 4.0 leisten hierfür einen wichtigen Beitrag, indem sie den Übergang von der technologischen Machbarkeit zur industriellen Anwendung vorbereiten und konkrete Erfahrungen für die weitere Skalierung bereitstellen. 

Zukunftsperspektiven der Praxis I: Von der Integration zur industriellen KIVom Machbarkeitsnachweis zur Skalierung

Im ersten Panel rückten die Teilnehmenden den Übergang von konzeptionellen Ansätzen hin zur ska- lierbaren industriellen Umsetzung in den Mittelpunkt. Sichtbar wurde: Der entscheidende Schritt wurde getan und sowohl der Machbarkeitsnachweis erbracht als auch das Wertschöpfungspotenzial valide herausgearbeitet. Nun ist es an der Industrie, den Schritt in die Skalierung zu gehen und be- lastbare Architekturen aufzubauen, die mit heterogenen Systemlandschaften umgehen können.
Die Diskussion rückte einen wichtigen Aspekt in den Fokus: Viele der technologischen Grundlagen sind bereits verfügbar. Entscheidend ist nun, bestehende Lösungen stärker zu vernetzen und in die industrielle Breite zu tragen. Projekte wie Antrieb 4.0 leisten hierfür einen wichtigen Beitrag, indem sie die Realisierbarkeit sowie Anwendungsfelder interoperabler Datenräume und datenbasierter An- wendungen im industriellen Umfeld demonstrieren.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Datenqualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ihre Aufbereitung erfordert häufig spezialisiertes Wissen und stellt damit eine wesentliche Hürde für den breiten Einsatz von KI dar. Gleichzeitig zeigen Praxisbeispiele, dass datengetriebene Anwendun- gen bereits heute messbaren Mehrwert liefern – etwa durch Predictive Maintenance oder optimierte Anlagenauslegung.

Für die weitere Entwicklung wurde zudem die Bedeutung eines kulturellen Wandels betont: Zusam- menarbeit muss stärker in Richtung offener, datenbasierter Ökosysteme gedacht werden. Agile Ko- operationen und gemeinsame Standards spielen dabei eine Schlüsselrolle, um Innovationen schnel- ler in die Anwendung zu bringen und im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Abbildung 5: Martin Hankel, Bosch Rexroth, sprach über die Bedeutung belastbarer Datenarchitekturen, gemeinsamer Stan- dards und neuer Ansätze für die industrielle KI.

„Wir unterschätzen die KI ganz stark, aber wir müssen erst eine Transformation in unserem Kopf machen und Prozesse völlig neu denken, statt nur das zu spiegeln, was wir heute schon kennen. Gleichzeitig brauchen wir dafür eine stärkere europäische Zusammenarbeit mit ge- meinsamen Standards und weniger kleinteiligem Konkurrenzdenken, um im globalen Wettbe- werb bestehen zu können.“

Martin Hankel, Abteilungsleiter Digital Business und Digital Office, Bosch Rexroth

Abbildung 6: Im Panel diskutierten die Teilnehmenden die Auswirkungen von AI Act, Data Act und Cyber Resilience Act auf Innovation, industrielle KI und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

Zukunftsperspektiven der Praxis II: Compliance-Landschaft und Wettbewerbs- fähigkeit

Das abschließende Panel beleuchtete die wachsende Bedeutung regulatorischer Rahmenbedingun- gen für die industrielle Transformation. Im Spannungsfeld zwischen Innovation und Regulierung wurde deutlich, dass Vorgaben wie der AI Act sowohl Orientierung und Sicherheit bieten als auch neue Anforderungen an Unternehmen stellen.

Deutlich wurde dabei, dass die Diskussion um Industrial AI längst über einzelne Technologien hinaus- geht. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Skalierung KI-gestützter Anwendungen erforderlich sind. Diskutiert wurden unter anderem die Auswirkungen des AI Acts, des Data Acts sowie des Cyber Resilience Acts auf Unternehmen und die Frage, wie sich Innovation, Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend regulierten Umfeld miteinander verbinden lassen.

Die Diskussion betonte, dass Regulierung nicht ausschließlich als zusätzliche Anforderung verstan- den werden sollte. Gemeinsame Standards, klare Governance-Strukturen und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen können dazu beitragen, Datenaustausch, Digitale Zwillinge, den Digital Product Passport und industrielle KI-Anwendungen überhaupt erst in größerem Maßstab nutzbar zu machen. Wettbewerbsfähigkeit und Compliance wurden daher nicht als Gegensätze betrachtet, sondern als eng miteinander verknüpfte Voraussetzungen erfolgreicher Digitalisierung.

Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit wird sein, regulatorische Anforderungen nicht nur zu er- füllen, sondern aktiv in innovationsfördernde Strategien zu integrieren. Gerade im Bereich cyber-phy- sischer Systeme wird greifbar, wie eng technologische Entwicklung und politischer Rahmen miteinan- der verknüpft sind.

Antrieb 4.0 als Baustein für Manufacturing-X

Die Ergebnisse des Projekts reichen dabei weit über den Anwendungsbereich elektrischer Antriebs- systeme hinaus. Mit der praktischen Umsetzung interoperabler Datenräume, Verwaltungsschalen, standardisierter Informationsmodelle und datenbasierter Dienste liefert Antrieb 4.0 konkrete Erfahrun- gen, die auch für übergreifende Datenökosysteme wie Manufacturing-X von hoher Relevanz sind.

Das Projekt zeigt, wie offene Standards, souveräner Datenaustausch und föderierte Architekturen zu einem funktionierenden Gesamtsystem zusammengeführt werden können. Gleichzeitig wurden tech- nische, organisatorische und wirtschaftliche Fragestellungen adressiert, die bei der Skalierung daten- raumgestützter Wertschöpfung eine zentrale Rolle spielen.

Antrieb 4.0 versteht sich damit als Reallabor und Transferplattform für die praktische Umsetzung zu- künftiger Industrieökosysteme. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse leisten einen Beitrag dazu, Manufacturing-X, Digitale Zwillinge, den Digital Product Passport sowie zukünftige Anwendungen in- dustrieller KI in die industrielle Praxis zu überführen.

Ausblick: Ergebnisse sichern, Transformation weiterdenken

Die Abschlusskonferenz unterstrich mit ihren Vorträgen, Panels und Diskussionen eindrucksvoll, wie interoperable Datenräume und ein vertrauenswürdiger Datenaustausch die Grundlage für die nächste Generation industrieller Innovationen bilden und wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Ein- satz industrieller KI schaffen.

Darüber hinaus hat Antrieb 4.0 wichtige Erfahrungen dafür geliefert, wie interoperable und souveräne Industrie-Ökosysteme praktisch aufgebaut und erprobt werden können. Im Reallabor konnten zent- rale Konzepte praktisch umgesetzt, validiert und anhand konkreter Anwendungen demonstriert wer- den. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie sich auf Basis offener Standards und bereits verfügbarer Technologien neue datenbasierte Services und digitale Wertschöpfungsansätze realisieren lassen.

Gleichzeitig zeigte die Abschlusskonferenz, dass die technologische Entwicklung künftig noch stärker mit Fragen der Regulierung, Datenpolitik und digitalen Souveränität zusammenwachsen wird. Der erfolgreiche Einsatz von Industrial AI hängt nicht allein von Algorithmen ab, sondern ebenso von hoch- wertigen Daten, interoperablen Standards und Rahmenbedingungen, die Innovation und Vertrauen gleichermaßen ermöglichen.

Die Abschlusskonferenz rückte in den Fokus, dass die Grundlagen für datenraumgestützte Wert- schöpfung und industrielle KI bereits heute verfügbar sind. Antrieb 4.0 lieferte praktische Erfahrungen zur Umsetzung interoperabler Datenräume und digitaler Services in industriellen Umgebungen. Im Reallabor konnten zentrale Konzepte praktisch umgesetzt, validiert und anhand konkreter Anwen- dungen demonstriert werden. Die gewonnenen Erfahrungen liefern Unternehmen, Forschungsein- richtungen und Standardisierungsorganisationen wichtige Orientierung für den Aufbau interoperabler, datengetriebener und künftig KI-fähiger Industrieökosysteme.

Sämtliche Projektergebnisse und Zukunftsperspektiven aus Antrieb 4.0 stehen hier auf der Webseite als zusammenfassende Publikationen zum Download bereit.

Abbildung 7: Die Partner des Forschungs- und Reallaborprojekts Antrieb 4.0 präsentierten auf der Abschlusskonferenz die Ergebnisse von dreieinhalb Jahren gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Redaktioneller Vermerk: Der Beitrag basiert auf einem für Antrieb 4.0 erstellten Nachbericht von Diana Staacke. Unser Dank gilt ihr für die journalistische Begleitung der Abschlusskonferenz. Redaktionell bearbeitet, Falk Eckert

Fotos: William Veder · Eventfotografie, https://williamveder.de/